Dying Giraffe Recordings (DGR) Hallo. Könntest Du Dich selbst kurz vorstellen? Hallo! Ich heiße Muf und arbeite unentgeltlich für die Dying Giraffe Recordings (wie alle, die für die Dying Giraffe Recordings arbeiten). Wie nutzt Du das Internet? Ich nutze es für meine täglichen Nachrichten, E-Mails, Instant Messaging, das Aufspüren neuer Talente für Dying Giraffe, zum Herunterladen von Musik, die nicht in Plattenläden zu haben ist, und natürlich zum Veröffentlichen meiner eigenen Musik. Was ist Dying Giraffe? Dying Giraffe ist ein Musiklabel mit Schwerpunkt Internet als Vertriebsplattform. Es gibt haufenweise Künstler, die nicht ganz oben mitmischen und deswegen nicht viele CDs verkaufen. Diese Indie-Künstler (indie = independent: unabhängige Künstler) haben mehr davon, wenn sie ihre Musik gratis anbieten, als wenn sie CDs auf normalem Weg verkaufen würden. Was haben die Verbraucher und die Künstler von alternativen Vermarktungsmodellen? Die Künstler erreichen ein breiteres Publikum, wir verbreiten ihre Musik, indem wir die MP3s auf viele Sites hochladen, die uns unterstützen. Weil wir Creative-Commons-Lizenzen nutzen, können wir das umsonst machen. Wir senden ihre Songs zu online Radiosendern, die ihre Musik regelmäßig spielen. Die Verbraucher können eine Auswahl ihrer Musik umsonst runterladen. Die kostenlose Musik wird in hoher MP3-Qualität angeboten. Die Verbraucher können den Künstlern Geld spenden, wodurch sie beim Weitermachen unterstützt werden und vielleicht damit genug verdienen, um eine ganze CD voll zu kriegen. Wenn ein Künstler eine komplette CD bespielt hat, verkaufen wir sie auf unserer Webpage und kümmern uns um den physischen Vertrieb. Diese CDs sind dann sehr günstig, und die Künstler bekommen ein Höchstmaß an Tantiemen. Die Verbraucher können unseren Online-Musikkatalog durchstöbern und etwas Musik gratis runterladen, um neue Musik zu entdecken; wenn sie sie mögen, können sie dem Künstler etwas spenden oder eine CD kaufen. Die Künstler sprechen weltweit ein breites Publikum im Internet durch Partnerschaften mit anderen Plattenlabels, Musik-Websites an (z.B. Fading ways records, isound.com, musiqe libre usw.) In unserem digitalen "Hinterhof" helfen wir ihnen beim Schaffensprozess. Wir unterstützen ihre Entwicklung durch Beratung und die Möglichkeit von Geldeinnahmen durch Spenden. Sie erhalten die Möglichkeit, andere Musiker zu treffen. Wenn ein Werk ausreichend herangereift ist, wählen wir sie aus und sie können eine CD aufnehmen. Wir kümmern uns um den physischen Vertrieb für diese Werke und helfen ihnen dabei, live aufzutreten. Die Tantiemen, die sie aus Online-Verkäufen bekommen, sind sehr hoch. Was verstehst Du unter DRM? Was hältst Du davon? Wo liegen die Vor- und Nachteile? Wie siehst Du die Verwendung? DRM ist ein Weg zur Überwachung des Online-Musiktausches. Die Frage sollte nicht lauten, was ich von DRM halte, sondern was ich von den spezifischen Arten des DRM denke. DRM sollte für alle Künstler und nicht für große Gesellschaften da sein, die eine Monopolstellung in der digitalen Musikwelt einnehmen wollen. Alle Formen des DRM sollten Plattform-übergreifend sein, wobei ich mit 'Plattform-übergreifend' wirklich 'Plattform-übergreifend' meine, d.h. es soll unter Windows, Mac, BSD und so weiter laufen. Außerdem sollen die Leute wissen, was passiert, wenn sie eine dem DRM unterliegende Musikdatei abspielen. Es gibt haufenweise Websites, die das DRM einsetzen, um an Daten von ihren Kunden zu kommen. Diese Daten verwenden sie dann, um herauszufinden, in welchem Land Du lebst, welche Musik Du spielst und so weiter. Das wird dann für ihre Marketingstragien genutzt, sie können herausfinden, wer am wahrscheinlichsten welche Art von Musik kauft. Die Kunden sind sich im Allgemeinen nicht darüber im Klaren und sind nicht richtig darüber informiert, was vorgeht. Dies ist keine kundenfreundliche Handhabung von DRM und hilft den Künstlern nicht beim Schutz ihrer Werke. Des Weiteren schränkt das DRM die Verbraucher beim Kopieren von Musik, die sie gekauft haben, ein. Nun haben sie keine Musik GEKAUFT, sondern sie haben sie auf eine bestimmte Weise gemietet. Ein wenig wie das Bezahlfernsehen. Das hört sich nicht schlecht an, ist eben ein anderes Verkaufsmodell. Den Kunden ist das jedoch nicht wirklich klar. Eine andere Art des DRM ist der Kopierschutz auf CDs. Das heißt, dass man die CD, die man für den persönlichen Gebrauch kauft, nicht kopieren kann. Meiner Meinung nach hat man das Recht, Musik für den eigenen Gebrauch zu kopieren. Man bezahlt ja bereits für das Urheberrecht, wenn man eine leere CD-R kauft. Wenn ich meine selbst geschaffene Musik auf eine leere CD-R kopiere, erhält jemand Geld für das Urheberrecht an meiner eigenen Musik, die unter einer Creative-Commons-Lizenz urheberrechtlich geschützt ist, was heißt, dass kostenloses Kopieren erlaubt ist. Ich frage mich, wer dieses Geld bekommt. Ich nicht! Außerdem ist der Sinn des DRM die Bekämpfung von Piraterie. Die Plattengesellschaften beschweren sich darüber, Geld wegen illegalen Herunterladens zu verlieren. Das ist völliger Unsinn. Die Musikindustrie ist nie zuvor so groß gewesen wie heutzutage. Sie meinen, die Künstler sind Opfer der Piraterie. Ich schlage vor, dass sie zuerst die Tantiemen der Künstler anheben, die diese erhalten, und mehr in die Entwicklung der Musik investieren, bevor sie uns etwas von der Opferrolle der Künstler erzählen. Was sind die Auswirkungen von DRM auf den aktuellen Markt und in Zukunft? Wie bereits gesagt, verwenden die Gesellschaften die Nutzerdaten für Marketingstrategien. Die Gesellschaften denken dann für Euch und entscheiden, welche Musik die beste für Euch ist und was am besten für Euch verfügbar sein wird (was den dicksten Gewinn bringt). Außerdem führt mehr Kopierschutz zu mehr Piraterie. Die Menschen bezahlen bereits viel Geld an die Musikindustrie. Was sind die Auswirkungen des DRM auf den Verbraucher jetzt und in Zukunft? Den Verbrauchern wird das zuerst egal sein, bis sie feststellen, dass sie die von ihnen 'gekaufte' Musik nur auf einem normalen CD-Spieler laufen lassen können. Nicht aber in ihrer Stereoanlage im Auto, nicht auf ihrem DVD-Spieler, nicht auf ihrem Computer, nicht auf ihrem MP3-Spieler. Außerdem werden ihr Verhalten und ihr Umgang mit Musik ausspioniert, wobei Informationen an die Hersteller gesendet werden. Dann werden einige entdecken, dass, falls sie die Musik entgegen den Regeln der Industrie nutzen, das Abspielen dieser Musik nicht mehr möglich ist. Was kann ein Künstler tun, falls sein CD-Hersteller gegen seinen Willen DRMs nutzen will? Man sucht sich ein anderes Label. Das ist vielleicht nicht so leicht. Mit DGR (Dying Giraffe Recordings) versuchen wir den Aufbau eines Labels oder vielmehr eines Netzwerkes von Labeln, mit dem man seine Musik auf nicht traditionelle Weise produzieren und vertreiben kann, bei dem es fair gegenüber dem Musiker und dem Kunden zugeht. Deswegen hat der Musiker eine Wahl, wie er seine Musik veröffentlichen kann: mit oder ohne die traditionellen, unfairen Praktiken. Was hältst Du davon, wenn Kunden durch die Industrie verklagt werden, die P2P nutzen? Bei der Musikindustrie geht es nicht mehr um Musik. Es geht um Geld. Das Verklagen von Kunden auf Beträge, die vollkommen lächerlich sind, und dann der Fingerzeig auf das Herunterladen als Ursache für die geringeren Gewinne, ist einfache Schuldzuweisung. Diese Haltung ist viel bequemer als herauszufinden, was die echten Gründe dafür sind, warum die Leute keine Musik kaufen wollen: hohe Preise wegen der Festpreise, eine extrem konservative, beschränkte und kleingeistige Repertoire-Auswahl, starke Stauchung der Musik, um einen etablierten Sound zu schaffen usw. Die Einschüchterungsversuche gegenüber Kindern und älteren Menschen, damit sie Wuchergebühren zahlen, hat überhaupt nichts mit dem so genannten Schaden zu tun, den die Industrie erleidet. Die Plattenindustrie sollte ihre Energie und ihr Geld darauf verwenden, ein Produkt zu entwickeln, das eine Konkurrenz für P2P ist. Das würde den Künstlern helfen! Bedarf es einer Kampagne für Verbraucherrechte im digitalen Umfeld? Ja, sicher. Viele, wenn nicht die meisten der Verbraucher wissen nicht, wohin diese Entwicklungen führen, oder es ist ihnen sogar egal. Wenn sie merken, dass ihre Freiheit und ihr Privatbereich eingeschränkt werden, dass sie einen viel geringeren Gegenwert für ihr Geld erhalten, dann überdenken sie vielleicht ihre Entscheidung, Musik von den etablierten Labels zu kaufen. Ihr seid ein unabhängiges Label, das diese Kampagne unterstützt? Was bewegt Euch dazu? Wir wollen Musik anstatt Geld zum wichtigsten Ziel der Musikindustrie machen. Es geht dabei darum, den Musikern und den Verbrauchern ihre Rechte zurückzugeben. Unterstützt Du die BEUC-Kampagne? Klar. |
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